FiveMinutesADay_Stuttgart-München01022022

Gestern bin ich dieselbe Strecke gefahren, in die umgekehrte Richtung. Der Himmel hing schwer und dunkel und drückte, es regnete, ich war müde, nachdenklich, besorgt, und dachte, wie komisch, gestern ging es mir noch ganz anders, und vermutlich wird auch morgen alles anders sein. Es war dann abends alles schon anders, und heute liegt überall auf derselben Fahrtstrecke Schnee. Heute ist mein Geburtstag, und wenn Schnee und Geburtstag zusammen fallen, kann es eigentlich nur gut sein, denke ich. Sogar das, was nicht gut ist, ist in Ordnung, weil Schnee liegt, und Schnee ein wenig wie das Meer ist: eine Erinnerung daran, dass alles größer ist als das, was im eigenen Kopf und Herzen geschieht, und dass alles anders ist, immer, und auch immer wieder. Es ist recht komisch, das zu schreiben, diese platten Postkarten-Erkenntnisse angesichts der Mischung aus Schnee und Geburtstag; eh komisch, weil ich so selten hier was schreibe; aber ich bin heute das erste Mal seit schätzungsweise über zwanzig Jahren an meinem Geburtstag bei meinen Eltern aufgewacht, sie waren die ersten, die mir gratulierten, und beim Frühstück erzählte mein Vater von einer in der UdSSR obligatorischen Prüfung in Geschichte der KPdSU, und meine Mutter versuchte, ihn dazu zu bringen, eine Happy Birthday-Girlande für mich anzubringen. Das war herrlich rührend und herrlich gut, und draussen liegt Schnee, und ich möchte so narzisstisch sein und glauben, dass das kein Zufall ist.


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