Der Longlist-Tag

Also, gut, dann eben nicht. Und ich meine das so. Der Anruf war gestern, und die vom Verlag drucksten herum und machten Small Talk, und also wusste ich es gleich, gute Nachrichten überbringt man sofort, und mit den schlechten wartet man. Menschen.


Und kurz mal das Loch. Und abends Wodka-Rhabarber. Oder Rhabarber-Wodka. Wie auch immer man das nennt, Wodka mit Rhabarbersaft gemischt, aufgrund mangelnder Alternativen.


Und dann aber auch schon das Gefühl: Na und? Und nicht so ein beleidigtes, und wer sind denn die, und wer braucht schon Preise, und ich bin doch ich, und auch nicht: Ich werde es denen schon zeigen. Sondern mehr so ein Das-Leben-gehört-mir und so ein unbestimmtes carpe diem-Gefühl, aber auf eine sehr schwammige, unkonkrete Weise. Und sich einfach freuen, auch unbestimmt. Also auf nichts Besonderes. Und die nächsten Tage. Es kann nur, aber ich beende den Satz nicht.


S. schrieb dann, warum machen wir uns so abhängig von solchen Dingen, und O. schrieb “fuck fuck fuck fuck”, und S. schrieb, “aber der Name”, und T. schrieb, sie verstehe es nicht, und alle sagten etwas, und ich hörte zu.


Und dann noch beim Heimfahren gedacht, eigentlich könnte ich jetzt so einen Feuilleton-Text schreiben, darüber, wie es ist, nicht auf die Longlist zu kommen, wie man hofft, ohne hoffen zu wollen, und über diesen Anruf, der nicht der Anruf ist, und das alles selbstironisch und witzig und mit diesem Fünkchen Humor, das man mir zuschreibt, und dann den Deutschen Buchpreis als Institution noch einmal in Frage stellen, einfach so. Könnte ich. Aber wozu.


Und morgens dann aufwachen und wieder daran denken, der Morgen danach, ein bisschen wie nach einem One-Night-Stand. Und den Kopf schütteln. Und es so meinen, das Kopfschütteln.

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