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8. Apr. 2020

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Corona-Blog Tag 25 / Donnerstag

Momente des Realisierens: Wie ein Glas, das herunter fällt und zerbricht. Und man denkt sich, ich mag jetzt nicht, Scherbe für Scherbe, aber man kann nicht einmal aufstampfen vor Wut, weil man sofort in das Glas treten würde. In den Nachrichten lese ich, was ich in dieser Form schon von anderen gehört und gelesen habe, dass nämlich Söder warnt, vor dem Herbst würden wir keinen Alltag haben. Es geht um das Oktoberfest, was mich nicht traurig macht, weil das eine Zeit ist, in der ich eh am Liebsten aus München verschwinden würde. Und dennoch: Die Worte sickern langsam, in einzelnen Tropfen. Die Grenzen werden im Oktober vielleicht noch geschlossen sein, wir werden vielleicht nicht reisen dürfen. Ich weigere mich, das Vielleicht durch ein Wahrscheinlich zu ersetzen. Die Worte liegen schwer wie Steine irgendwo hinten im Kopf. Ich nehme den Roller, um zum Einkaufen zu fahren, es ist das erste Mal seit Montag, das ich das Haus bzw. den Innenhof verlasse. Wimmelnde Menschen, viele von ihnen mit Masken. Die Masken simpel weiß, bunt und ein Paar schwarze sehe ich auch, letztere meist bei jüngeren Menschen. Im Supermarkt die Abstände zum Warten abgeklebt, was absurd scheint, weil ich bei den Milchprodukten, bei den Tiefkühlprodukten mich von vielen umgeben wieder finde. Er hat eine beängstigende futuristische Ruhe, dieser neue Alltag, zwischen durch verdeckte Gesichter verbreitete Angst und der Selbstverständlichkeit, mit der das Leben fließt: Nörgelnde Kleinkinder in Kinderwägen, und die Frage, wo der Meerrettich zu finden ist. Ostereinkäufe, ich kaufe für Pessach ein. Ich kaufe auch Osterhasen und Ostereier. Ich trage keine Maske. Die Einsamkeit wird dieser Tage an die Oberfläche geschwemmt: All jene, die jetzt vier Tage lang niemanden treffen, sehen. Ich befürchte, dass Einsamkeit bei Sonne besonders dunkel glänzt. Ich habe plötzlich diese unbändige Sehnsucht, Freund*innen zu drücken, menschliche Körper zu spüren, den Schweiß anderer zu riechen, Hände in Rücken zu krallen. Worte wie Steine, Wochen, Tage, die sich in die Länge ziehen, die Rebellion kommt durch den Bauch nach oben gekrochen, dicker Hals. Stapfen wollen. Mag nicht mehr. Will jetzt jemanden besuchen. Will an den See, will ins Kino, will irgendwohin. Will nie wieder durch den Englischen Garten joggen, will nie wieder Fahrrad fahren, wenn es nicht ist, um andere Menschen zu treffen. Um sie zu umarmen, um ihnen auf die Schulter zu klatschen, um ihnen zu sagen, gut, dass du da bist, dass wir wir sind. Abends dann Passach, als wäre nichts. Wir bereiten den Seder-Teller vor, alle zusammen, quälen uns durch die lange Geschichte des Auszugs aus Ägypten, kürzen diese wie jedes Jahr ab. Lachen viel, essen noch mehr, die Kinder in Party-Stimmung, hüpfen herum, bleiben zu lange auf. Das Ritual wie ein langer Atemzug, die Ruhe, die die Vorbereitung erfordert, eine Fokussierung auf etwas, das nicht mit C anfängt. Beglückt ins Bett gehen, beinahe ruhig.

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