Corona-Blog Tag 46 / Donnerstag

Aktualisiert: Juni 30

Am Anstrengendsten ist die Monotonie der Erschöpfung. Diese Tage, die ineinander übergehen, ohne die Farbe zu wechseln; ich mag noch nicht einmal mehr aufzählen, woraus so ein Tag besteht. Die Mittwoche sind aufregend: Da ist meine wöchentliche Therapiestunde. Da muss ich um eine bestimmte Uhrzeit aus dem Haus. Da habe ich eine Adresse, an der ich sein muss, ich fahre manchmal Fahrrad und manchmal U-Bahn, ich treffe jede Woche diese große Entscheidung. Alles andere gerät an diesem Tag durcheinander, die Frage, wann wir frühstücken, und wann wir zu Mittag essen, und die Arbeit hinkt noch mehr hinterher als sonst, aber ich genieße jeden Moment dieses Durcheinander-Geratens. Diese Woche regnete es, ich nahm die U-Bahn. Ich trug eine Maske, die blaue mit den Blumen. Ich schaue mir die Masken der anderen genau an, es gibt da sicher Trends und Moden. Es gab nur einen Mann, der keine Maske trug, und ich konnte nicht aufhören, mich zu fragen, ob er rebellierte, oder ob er seine einfach zuhause vergessen hatte. Vielleicht bereute er das Vergessen ja die ganze Fahrt lang, dachte ich. Es sind nicht viele Menschen in der U-Bahn. Nächsten Montag wollen wir bestellte Bücher im Buchladen abholen, das ist mein nächster Termin.


Die Online-Seminare laufen auf Hochtouren, die Anfrage für das nächste kommt. Ich beiße mir auf die Lippen, um nicht zu sagen, wollen wir nicht warten, bis… Das „bis“ hat kein Datum, also lieber so als gar nicht; ich kann es nicht erwarten, wieder Menschen vor mir in einem Raum zu sehen. Heute gelesen, dass eine neue Studie zeige, dass Kinder ebenso dazu prädestiniert seien, das Virus zu übertragen wie Erwachsene, was wenig überrascht. Die Logik, Spielplätze zu öffnen, verstehe ich nicht, als ob sich Kinder da mehr an Abstand halten als in Kindergärten, aber die Sehnsucht danach fühle ich in groß. Manche Tage sind okay, andere schlechter, eines Morgens schreibt mir ein Freund, er habe heute schon geweint, er könne nicht mehr, die Anspannung der Kinder, die eigene, die Arbeit, die immer im Hintergrund drängt, und das ewige Gefühl, all den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Er schreibt, er habe heute morgen schon geweint, dabei ist es noch Morgen, als ich die Nachricht bekomme. Die Morgen, sie sind lang in diesen Tagen, und die Tage ziehen sich in Wochenlängen. Man würde sich so gerne auf etwas freuen, auf etwas, das demnächst geschieht.


Die Kaffeekapseln kamen einen Tag nach ihrer Bestellung, auf die hatte ich mich gefreut. Es kam am selben Tag ein anderes Paket, mit selbst gehäkelten Krafttieren für die Kinder. Für mich war auch eines dabei, ein kleiner Koala. Er sitzt vor mir, während ich diesen Text schreibe, ich denke, ich nehme ihn in den nächsten Urlaub mit. Ich freue mich, wenn der Koala – er hat noch keinen Namen – und ich gemeinsam auf die erste Reise gehen.