Island – 26. April 2016 – noch so ein Tag. Schreiben.

Aufgegeben: Island, beschreiben zu wollen. Okay, da waren also diese Berge. Die aus Heu. Und dieser heiße Fluss, in dem sich irgendwas bildete, was sich wie diese schleimigen Kinder-Slimeys anfühlte und ein Grün hatte, das man auch nur aus Kinderbüchern kennt. Und in dem heißen Fluss konnte man baden, aber nur da, wo er sich mit dem Gletscherfluss verband, weil er sonst zu heiß gewesen wäre. Okay. Und auf dem Rückweg war diese Mondlandschaft, und dazwischen war Schnee. Und all das ist unglaublich, ja. Aber ich kann das nicht beschreiben. Und was man nicht kann, das sollte man lassen. Manchmal probiert man es aber doch noch einmal.


Angefangen: Schreiben. Ich schreibe morgens. Um sechs klingelt der Wecker. Das ist ein Trick. Um sechs kann ich noch denken, komm, eine halbe Stunde geht noch, stell ihn auf halb sieben. Aber dazu bin ich zu faul, dazu bin ich zu unruhig, also bleibe ich liegen, achte darauf, nicht wieder einzuschlafen und sitze um 6.15 Uhr am Computer. Die Welt schläft. Zum Schreiben gehe ich hinaus. Gestern saß ich auf dem Boden, Schneidersitz, Laptop auf dem Schoß. Draußen frieren die Finger. Hinter der bunten Bank ist ein Spiel-/Turnplatz, an dem Jogger ihre Aufwärmungen machen. Wir ignorieren uns gegenseitig und erfolgreich.


Angestachelt: Irgendwas stachelt mich an. Ich tippe da weiter, da, wo ich nicht soll. Die Worte ergeben sich selbst. Nach den fünf Seiten könnte ich weiter schreiben, und ich weiß nicht, warum ich das mache, aufstehe und zufrieden nachhause waten. Zuhause tun die Finger noch mehr weh. Was das wird, das weiß ich nicht, vielleicht. Und vielleicht auch nie. Und dann.


Auf- wie abwärts: In letzter Zeit schreibe ich oft so, Dinge, die groß sind, und lang, und nichtig, und schön, und möglicherweise nichts. Und die bleiben dann, in Kästchen, im Computer, im Nirgendwo. Und am nächsten Morgen laufe ich wieder zur Bank, sie ist türkis, aber das sagte ich bereits.


Ausgedacht: Gestern zwei verrückte Videokunstprojekte überlegt. Ideen sind da Hunderte, und Spaß hätten wir auch, aber wer guckt sich das an. Beim Schreiben aber, da reicht ein Adressat. Bücher geschrieben, in Unmengen, auch: Gedichte. Ich und Gedichte.


Wenn ich den Computer schließe, habe ich ein gutes Gefühl.


Ach so, und dann bin ich einmal in Schwefelmatsch eingebrochen, schon wieder vor Euphorie.

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