Five Minutes a Day – MUC01102017

Gestern durch die Straßen getanzt. Also nicht wirklich durch die Straßen getanzt, aber im Kopf getanzt, und vielleicht auch so gelaufen, hüpfend. Tänzelnd kann ich nicht. Musik gehört. Laut. Durch die Wohnung getanzt. Aus keinem bestimmten Grund, nur das Ich. Lebendigkeit, weil sich alles ändern oder auch nur ich mich. Meine eigenen Augen im Spiegel mögen, was für eine Seltenheit.


Mittags auf einer karierten Picknickdecke sitzen, Wahrheiten aussprechen. Sich was zu essen holen, der Rote-Beete-Salat schmeckt nicht. Wenn man über Wahrheiten lacht, schmerzen sie weniger, wir probieren damit herum. Wie Kinder, die neue Bausteine entdecken, aber vielleicht hat bereits ein anderes Kind mit den Bausteinen gespielt.


Abends, Menschen. Ich spreche, fühle mich wie meist unwohl dabei. Lost Highway im Kino, die Perfektion dieser Bilder und die Verlockung der Angst. Später mit M. lachen und reden und eine Cola trinken statt Wein und dennoch müde werden und dann eben durch die Straßen tanzend nachhause und durch die Wohnung tanzen, als hätte der Tag eine Bedeutung gehabt.


Bin außerdem verliebt, in ein Buch. Verschlinge es, Lesegier, hatte mich lange nicht mehr gepackt. “Außer sich”, Sasha Salzmann. Gebe mir Mühe, als läge ich auf der Couch, konstruktiv und selbstdelektiert zu denken, das Buch zu lassen, wo es ist, bei sich. Ein gutes Buch zu lesen heißt nicht, dass ich nicht schreiben kann. Ich schlafe ein über den Seiten, träumend.