Five Minutes a Day – 25/03/2017 – Leipzig –> Speyer

Zug. Leipzig – Speyer, aber nicht direkt selbstverständlich. Da knutschen zwei, und sie tun es schmatzend. Sie reden, laut, das ist fast eine Natürlichkeit bei denen. Sie hustet, wie Raucher das tun, und die Haare sind ein schlecht gefärbtes Blond. Motorradbraut, obwohl er kein Motorradfahrer ist. Sie sind dumm, so sehen sie aus. (Ich weiß nicht, ob ich die Bösartigkeit der Buchmesse zuschreiben darf.) Sie wären vielleicht eine Fotografie, aber man müsste sie in einen Zusammenhang stellen. (Ich denke zu viel in Bildern, in diesen Tagen). Schmatzend vorgetragene Liebe. Ich weiß nicht, ich denke, ein Kuss sollte ein Gehemnis sein, aber wenn ich das aufschreibe, dann ist das Kitsch, und darin ertrinkt der Gedanke. Über das Fahren in Zügen sagt man, Landschaften ziehen vorbei, aber Bilder tauchen auf. Wenn man an den Haaren gezogen wird, das fühlt man, das sieht man nicht. Mein Nacken schmerzt, ich habe mir irgendwie einen Nerv geklemmt. Ich fahre mir durch die Haare. Ich suche nach Antworten. Innerlich weiß ich, was es zu schreiben gilt. Es hat nur nichts auf dem Papier zu suchen. Worte dringen hindurch. Sie sind nicht von heute. Ich weiß nicht, warum mich die knutschenden Zwei so nerven. Ihre Stimme penetriert durch die Luft.

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