Five Minutes a Day – 16102017

Einer dieser Tage, an denen ich dann doch anfange zu weinen, obwohl ich nicht will. Ich weine nicht wirklich, aber ich glaube, er hört es in meiner Stimme. Alles in Ordnung, bei dir, fragt er. Ich erzähle dann, aber nicht alles. Eines lasse ich weg. Auch gut. Danach geht es besser, ich setze mich an den Schreibtisch zurück. Sonderbar, dass sich im Schmerz einfacher schreiben lässt. Einfacher, ich sagte, nicht besser.


Ins Notizbuch notiere ich andere Dinge hinein, was alles schon war, und was vielleicht gut ist, wie es ist. Die Augen öffnen. An den Spiegel im Bad hänge ich einen Songtext, so sehe ich ihn jedes Mal, wenn ich das Badezimmer betrete. Was man so nicht tut, um. Die Stärke kommt von innen, aber wir spielen sie gerne vor, und viele Einsamkeiten ergeben noch keine Gemeinsamkeit. Das sind so lose Gedanken, aneinander gehängt.


Einfach aufstehen und gehen und sich nicht mehr umdrehen und nicht warten, und die Wahrheit sagen können, ohne Angst zu haben, sie wird einem umgedreht, mit einem dieser schlimmen Begriffe, die alle dasselbe meinen: Du bist zu emotional. Das Recht haben, auf einfache Gefühle, die sich in Kompliziertheit verwandeln. Überhaupt ein Recht haben. Und erhobenen Hauptes gehen, wenn man erkennt, man hat keines. Im Kopf ist alles ganz klar, im Herzen sieht es immer anders aus.


Ich habe heute noch nichts gegessen. Kein Hunger. Gestern habe ich einen zehnminütigen Brief geschrieben, er wurde dreieinhalb Seiten lang. Ich schreibe keine Paarstücke mehr, das zumindest stelle ich als Tatsache, schmerzlos, fest. Ich weiß auch nicht, warum ich keinerlei Hunger habe. Den Brief schicke ich heute noch ab.