Berlin – Hausach, 25062016 – Five Minutes a Day

Am Ende ist Wald. Er ist dunkel, das verspricht schon der Name.


Ich wache auf, zu früh. Was ist es, halb sechs erst. Am Bett steht J., und wie er da steht und fragt, wann ich aufstehen muss, da kann man gar nicht böse sein, auch wenn man geweckt worden ist für diese Frage. Also stehe ich auf. Das morgendliche Arbeiten, ein spätes und geliebtes Ritual. J. trägt eines seiner Nachthemden, haut in die Tasten, als wäre da Wut, und kocht den Tee wie jeden Morgen stark.


Der Flug ist storniert, und die Fahrt nach Hausach dauert insgesamt acht Stunden, irgendwo weint ein Kind, vielleicht auch Eltern, ich mische Fotos mit Bildern, verabscheue Züge, verabscheue Minuten, die Nase schon wieder dicht, in Baden-Baden esse ich einen Bagel, nichts schmeckt.


In Hausach holt M. mich ab, das ist dann wie zuhause ankommen, sofort. Am Hotel wartet J., der mich drückt in seinem schwarzen T-Shirt, die Brille, die Zigarette, alles wie immer, das ist dann wie zuhause ankommen, und alles ist außerdem gut. Ich lese mit verstopfter Nase, vorher liest Lina Al-Mousli, dieses schöne Buch, und diese reizende Jugend, Mathias Göritz liest, dass es eine Freude ist zuzuhören, er hat den Hund dabei. Der Hund robbt, der Abend fühlt sich gut an, J. schenkt mir ein Gedicht von Emily Dickinson auf Alemannisch. M. fährt mich ins Hotel, wir sprechen Arabisch, der Wald ist dunkel, ich. Morgens habe ich einen Kaffee getrunken und ein Rührei gegessen, mit Schafskäse und Tomaten, und  dafür hat sich alles, aber auch alles gelohnt.