Berlin, 03042016, 13.03 Uhr – Five Minutes a Day

Aktualisiert: 1. Juli 2019

Ich schreibe ja neuerdings so, mit dieser most dangerous writing app, wenn man auch nur für drei Sekunden das Schreiben unterbricht, dann ist alles, was man geschrieben hat, weg, also tippe ich jetzt, wie eine Verrücke, wie eine Besengte in die Tasten, und dann unterlaufen einem Fehler, über die man nicht mehr nachdenken kann, so wie der: Dass es doch nicht heißt, dass man in die Tasten tippt, sondern haut; und dass man vielleicht nicht besengt ist, wenn man das tut. Aber man tippt, und das ist viellicht – manchmal – gut so. Es ist ein Verdruss. Ich sitze auf J.’s Bett, während er am Schreibtisch sitzt und arbeitet und so atmet, wenn er arbeitet, konzentriert, und die kleinen Seufzer sind Anfälle von Anstrengung. Und ich sitze und tippe und wackle dabei, weil sich alles wackelig anfühlt in diesen Tagen, und ich ahne nur, warum. Ich sitze und tippe, und gebe mich einem schwachsinnigen Experiment hin.

S. hatte geschrieben, dass man anfällig ist nach einem Streit, und so fühle ich mich, pustet doch, pustet, und dann falle ich um. Vielleicht puste ich probehalber auch mich selbst an, und man schleicht umeinander herum, und der Kopf sagt das Eine, was das Herz nicht sagt, und andersherum genauso, aber sie reden nicht miteinander, und ich sitze hier auf dem Bett und bin unruhig, und will das doch gar nicht und auf gar keinen Fall sein. Bitte. Und ich weiß nicht, was morgen, und also denke ich vorsichtshalber nicht darüber nach. Und ich schiebe alles so ein bisschen her, auch dieses eine Telefonat. Draußen ist strahlender Sonnenschein, und man könnte so tun, als wäre man das nicht: Ein Zonenmädchen, das sich in diese Zone begibt, das hat J. so formuliert. Man könnte, aber man kann nicht.