Corona-Blog Tag 8 / Montag

Aktualisiert: Juni 30

Und dann ist Montag, der zweite, also der zweite Montag im Ausnahmezustand, und ich wache wie immer – wie immer seit Corona – um kurz vor sechs auf und springe wie immer – wie immer seit Corona – hellwach auf, und greife wie immer – wie immer und so weiter – als Erstes zur Tagesschau-App. Es ist, stelle ich erstaunt fest, ein Alltag.


Es gibt eine neue Zeitrechnung für mich, vielleicht für uns alle. Es gibt ein Früher, es gibt das, was normales Leben war: Am Montag wollte der Kleine nicht zur Schule. Wenn die Tür morgens hinter den Kindern ins Schloß fiel, war ich erleichtert, ich eilte zum Schreibtisch, zu Terminen. In diesem Früher konnte ich schnell in dieses südindische Restaurant, in dem ich das Gericht Nr. 97 so sehr liebe, ich konnte mir einfach sagen: Heute war ein doofer Tag, das habe ich mir jetzt verdient, dieses leckere Auberginen-Essen, und Nan-Brot und Raita noch dazu. In diesem Früher saßen wir bei schönem Wetter draußen in der Sonne und so weiter, aber das haben wir in den vergangenen Tagen alle schon oft genug gesagt. Es gibt ein Danach: Ich habe jetzt eine Nach-Corona-To-Do-Liste. Sie wird mit jedem Tag länger, sie ist mit Dinge gefüllt, für die ich andere Menschen brauche, sehen muss. Es gibt das Jetzt, und das Jetzt ist irgendwann in der letzten Woche zum Alltag geworden.


Ich stehe auf, ich sehne mich nicht mehr nach Terminen, die Kinder motzen, warum sie die Schlafanzüge nicht anbehalten dürfen, ich antworte, weil heute Schultag ist, und zeige auf unsere Schule: Der Küchentisch, einen Meter entfernt. Wir bleiben zuhause, gehen vielleicht kurz raus, ich jogge, die Kinder rollern neben mir. Auch das ist Corona: Ich jogge eigentlich nicht. Das Telefon, Skype stehen nicht still, sie sind jetzt meine besten Freunde. Einen der Kinder verabrede ich mit dem Großvater zum Schachspielen per Skype. Die Nachrichten ziehen sich durch den Tag, und jedes Mal, wenn jemand im Kommunikationskreis hustet, sagt jemand anders das C-Wort. Heute ist Montag, und der Montag, an dem wir nicht ohne triftigen Grund das Haus verlassen dürfen, an dem wir uns von Menschen, die wir mögen, fern halten sollen, der scheint mir plötzlich, ein normaler Montag zu sein. Es beginnt gerade die zweite Ausnahmewoche.