Nach der Buchmesse, München

Die erste Buchmesse ohne Depression. Sie vergeht in Fragen und Antworten, denen auf der Bühne, denen in meinem Kopf, denen, die nicht gestellt werden, und denen ohne eine Antwort. Zwischendrin habe ich tatsächlich Spaß, staune über mich selbst, und wackle immer wieder: Hält es, dieses Gerüst? Es hält. Der Samstagmorgen ist am Schlimmsten: Ich will mich unter die Bettdecke verkriechen und nicht wieder hinaus müssen, Aufschub gibt es nur für fünf Minuten, ich will diese Decke und jemanden, der über den Kopf streichelt und sagt, bleib doch liegen.


Neben der Offensichtlichkeit der Buchmesse geschieht noch so viel, und so viel auch in meinem Kopf, eine Nacht liege ich da und bange und weiß, dass ich schlafen sollte, und schlafe nicht, und wage es nicht, mich zu wälzen, und weiß, ich muss schlafen, und schlafe nicht und stehe viel zu früh auf und bin – möglicherweise auf der, gesellschaftlich gesehen, wichtigsten, und für das, was die Buchmesse sein soll, Buchmarketing nämlich, unwichtigsten Veranstaltung der Messe – nicht gut. Das Wissen: Ja, ich bin da. Und gut. Und eben auch das andere Wissen.


Ich muss mehr lesen, mehr reisen, mehr schreiben, vor allem schreiben, mehr vorlesen, mehr mitnehmen, mehr aufsaugen, mehr, mehr, mehr. Die Texte stapeln sich im Computer, sie müssen bald raus, irgendwohin. Sonst ist es zu spät, sie gehen mir verloren.


Abends nachhause kehren, mitten in der Nacht, von der letzten Szene des Balletts (Verzweiflung und Selbstzerstörung, wie die Kunst in der Liebe verloren ging, wie der stärkere, der selbstverliebtere gewann, und die Frau, die sich selbst für ihn zerstörte, in diesem wunderschönen Grau) noch erfüllt. Das Nachhausekehren ist dieser Tage immer noch ein Sturz in die Einsamkeit, irgendwie. Aber darüber wird nicht gesprochen. Ich nehme wie auch an den Abenden der letzten Wochen “Ferien auf Salktrokan” mit ins Bett, und weiß, erst wenn ich Astrid Lindgren nicht brauche, sind die Dinge in Ordnung. Ist wie mit dem Gesundwerden. Da ist ein leises Vermissen.