München, 050416, 20.28 Uhr – Five Minutes a Day

Die Nacht ist gemein. Ich bin wach, weil ich nicht schlafen kann, weil mich Gedanken wälzen, weil das Kind in der Tür steht, dann liegt das Kind neben mir im Bett, dann sagt das Kind etwas, dann wälze ich mich, weil die Gedanken, und das geht dann so weiter, bis der Wecker klingelt, um sechs. Dann hat mich der Tag.


Am Tag lieber nicht nachdenken. Im Workshop lesen sie Gedichte, unzählige, lange, gute, Pein höre ich, Mumm höre ich, Fichten und Kiefern, und auch die Geschichte vom Tod. Das haben sie gut gemacht, oder waren das wir. Bei der Nachbesprechung des Workshops lächelt A. mich an, das haben wir uns verdient.


Dann aber sitze ich im Café, als hätte der Tag nur darauf gewartet. Sie neben mir. Vor mir eine Papiertüte, eine weiße, und die Schrift darauf ist rot, und die Schrift auf dem Briefpapier ist schwarz, und beide Farben sind nicht von Bedeutung, aber. Der Brief. Ich werde ihn aufbewahren. Ich werde ihn lesen, noch einmal. Ich werde. Etwas macht sich breit, Vertrauen sagen sie dazu, glaube ich, das tun sie. Das Getränk ist Bio, es kommt in einer bäuchigen Flasche, möglicherweise ein neues Trendgetränk. Das Schreibbuch ist bunt, und ich weiß, mit welchem Satz ich beginnen werde, und der Stift wird ein roter sein. Die Schrift auf dem Briefpapier ist schwarz, und Dankbarkeit hat keine Farbe, und manche denken, Glück ist immerzu hell. Ich glaube nicht, dass sie damit Recht haben müssen.


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