Island – 28. April 2016 – bei den Vögeln, zwei.

Ich stand dann da so an dieser Brücke, rechts von mir das Rathaus, hinter mir das Parlament, vor mir der Teich, auf dem Teich laufen die im Winter Schlittschuh. Es hagelte, nur so ein bisschen. Der Wind pfiff, das tut er immer hierzu, als hätte er nichts anderes zu tun. Vögel flogen, Vögel kreischten. Menschen gingen, sie eilen hier nicht. Ich stand dann da so an dieser Brücke und ließ die letzten zwei Jahren Revue passieren, was da so war, und wer ich so war, und warum. Und wie. Ich hatte eine Antwort auf diese Frage.


Also ließ ich die letzten zwei Monate Revue passieren, Vögel flogen, Vögel kreischten und so weiter. Ich schauderte, dann grinste ich, und der Wind pfiff. Die letzten zwei Wochen, die letzten zwei Tage. Island verflog, die Zeit verrannte sich, ohne dabei auf die Uhr zu blicken. Ich war Schritte gegangen, ich hatte fest auf den Boden aufgestampft. Es war ein bisschen wie beim Wandern, man blickt sich um und denkt sich: Das alles habe ich bereits zurück gelegt? Und dann staunt man über sich selbst. Das waren die letzten zwei Jahre, und ich wanderte immer noch, sollte ich schreiben, wanderte immer noch empor?


In den letzten zwei Wochen hatte ich meinen Wohnort von München nach Reykjavik gewechselt, und die letzten zwei Wochen waren verflogen, es hatte eine Selbstverständlichkeit, wie ich hier an dieser Brücke stand, ich wollte noch so viel. Manchmal wollte ich wenig, da wollte ich nur Ruhe und Ausschlafen und dass jemand einen Tee bringt. Dann wieder die ganze Welt, und dazwischen lagen Sekunden. Manche Vögel saßen auf dem Wasser, die machten das mit dem Ausschlafen.


Es hagelte, also beschloss ich, nur zwei Minuten noch hier zu stehen, ich zählte im Kopf bis 120 und dann noch mal bis dreißig, weil man immer schneller zählt als Sekunden vergehen. Und ich zählte das Leben nicht ab. Schritte gegangen, große.