irgendwo in nrw/irgendwann im märz

#lesereisentrostlosigkeit


In Mönchengladbach sagen sie zu mir, dass ich schon einmal hier gelesen habe, in dieser Stadtbücherei, 2008. In Leverkusen weiß ich erst, dass ich schon einmal in Leverkusen war, als ich das Hotel erkenne: Ein Bunker aus den Siebziger Jahren, die psychodelischen Vorhänge ebenfalls, unter dem Fenster Autobahn wie Eisenbahngleise, und dächte ich an Selbstmord, so wäre das Fenster zum Rausspringen perfekt. Lesereisenmonotonie. Die Hotelzimmer dunkel, die Lampen grell, und um Luxus geht’s mir nicht. Immer denke ich, ich sei gegen das Gefühl der Einsamkeit immun, dabei ergießt sie sich in mittelgroße deutschen Städten über mich wie ein Wasserfall, ich schnappe nach Luft, okay, jetzt wird es melodramatisch. Aber genauso, genauso.


Menschen treffen, Luft einatmen. Viel lesen. Schreiben. Aber nicht das, was ich soll, den Essay über die Erinnerungskultur an die Berliner Mauer schiebe ich vor mir her. Es sei der Einsamkeit geschuldet.


Gestern das Wort Nudging gelernt, in der SZ gelesen. Nudging bedeutet, dass man jemanden in die richtige (sprich: die für den Anstupsenden richtige) Richtung schubst, aber ihm dabei das Gefühl gibt, dass er Wahlmöglichkeiten hat, sich selbst dafür entscheidet. Macht die Werbung schon lange mit uns, jetzt will es die Bundesregierung versuchen. Manche machen das in Beziehungen, schießt mir in den Kopf. Sich manipulieren lassen, freiwillig, auf der anderen Seite.


In Bonn scheint die Sonne, der Himmel ist blau, und auf den Straßen sind Menschen. Im Hotelzimmer alles orange, gelb und ein sonderbares Rosa, ich schicke O., mit der ich heute lese, ein Foto, Vorfreude aufs Hotel, hat sich da jemand am Design versucht, eine Augenweide, schreibt sie zurück. Die Menschen in NRW sind außerordentlich freundlich.


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