19. März 2016, Leipzig – München, 11.07 Uhr – Five Minutes a Day

Früh in den Zug, und warum ist es so, dass, wenn ich tue, und schreibe und arbeite, und manchmal auch so tue als ob, ich mich so viel besser fühle, als gestern. Und dann diese Erwartungshaltung, die eine Ahnung ist, oder ein Ankreischen oder etwas dazwischen: Das wird heute böse enden, aber ich weiß noch gar nicht, was. Die Vorsicht ist eine ahnungslose, und etwas in mir sagt, ich höre nicht auf mein Gefühl. Ich möchte aber, unbedingt. Da warten zwei, auf mich, und irgendwie muss ich versuchen, das Beste, es fällt mir nicht ein. Das, woran ich übrigens schreiben sollte, die Miniaturen, das Buch, den Brief, den Artikel, daran schreibe ich natürlich nicht, tue aber erfolgreich so, als hätte ich bereits seit Stunden gearbeitet, wie erbärmlich. Jetzt gleich, aber erst einmal hole ich mir einen Tee. Ich will lesen, einfach nur. Und schreiben will ich, eigentlich, ohne Zeitdruck, irgendwo, wo die Sonne scheint, aber nicht zu sehr, und ein Anblick von Felsen, und dieser Traum, entführt werden in eine andere Welt, in der ich Welten erschaffen könnte. Vor mir liegt Island. Außerdem: Dass ich mich verhaspele im Leben, wie andere sich in Sätzen verhaspeln, immer zu viel, bis es auch mir zu viel wird, und ich über mich selbst stolpere. Lernen durchzuatmen und es nicht können. S. geht es genauso, schreibt sie, darüber muss ich lachen; und F. schreibt, dass er sich überlegt, ob er auf der Buchmesse zu einer Party geht oder ins Hotel, fernsehen, und darüber muss ich auch lachen, ich bin nicht alleine auf dieser Welt. Dieses atemlose Schreiben hier, dieses, was wie das Leben ist und auch wie die Zugfahrt: Es rast, und vor den Augen dreht sich alles, nur nicht nebenbei aus dem Fenster schauen, sondern direkt, sonst wird mir schlecht. Mit dem Leben ist es ähnlich.

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