Five Minutes a Day – writing – 05082016

Morgens sitze ich mit Cappuccino und Croissant vor mir und einem Buch bewaffnet (bewaffnet!) im Dukatz und warte auf S. S. kommt herein, sie hat dabei, was ich geschrieben habe, und sie bestellt sich, in dieser charmanten, offenen Art dasselbe: Einen Cappuccino und ein Croissant. Und dann rede ich, beinahe eine Stunde lang. Und sie lässt mich reden, und ich bin mir sicher, sie weiß, und ich weiß, dass ich weiß, also rede ich eine Spur schneller. Ich will nicht hören: Was sie zu sagen hat zu dem, was ich geschrieben habe. Also rede ich, und dann blickt sie auf die Uhr, und wir wissen beide, dass die andere weiß um die gezählte Zeit, und sie sagt: “Also wie du willst. Entweder ich sage jetzt was dazu, oder im September.”

Ich schreibe mit. Sie sagt. Ich blicke sie kein einziges Mal an, und sie drängt nicht. Sie spricht von Pathos und der fehlenden Welt, sie hat Recht, und Recht hat sie auch, wenn sie sagt: Du arbeitest nicht. Lena, du arbeitest nicht. Und wir wissen beide, was sie meint, und vielleicht weiß es sonst keiner.

Also fahre ich nachhause beglückt. Und ich setze mich hin und lese, und das Lesen ist eine Arbeit, und plötzlich somit eine Freude, und an den Tisch setze ich mich zögernd, aber mit diesem Kribbeln, mit dieser Ahnung, mit einer Frage, auf die ich keine Antwort hören will. Und ich schreibe. Fünf Seiten. Sie sind genauso schlecht wie die von vorgestern, aber als ich aufstehe, habe ich gearbeitet. Es bietet mich dann noch jemand um eine Mail, die ich schreibe, dann ist der Tag wieder da, wie immer um zwei, und so dauert es, bis ich abends diese eine Nachricht abschicke: “Heute habe ich gearbeitet. Danke Dir dafür.”