Five Minutes a Day – writing – 05082016

Morgens sitze ich mit Cappuccino und Croissant vor mir und einem Buch bewaffnet (bewaffnet!) im Dukatz und warte auf S. S. kommt herein, sie hat dabei, was ich geschrieben habe, und sie bestellt sich, in dieser charmanten, offenen Art dasselbe: Einen Cappuccino und ein Croissant. Und dann rede ich, beinahe eine Stunde lang. Und sie lässt mich reden, und ich bin mir sicher, sie weiß, und ich weiß, dass ich weiß, also rede ich eine Spur schneller. Ich will nicht hören: Was sie zu sagen hat zu dem, was ich geschrieben habe. Also rede ich, und dann blickt sie auf die Uhr, und wir wissen beide, dass die andere weiß um die gezählte Zeit, und sie sagt: “Also wie du willst. Entweder ich sage jetzt was dazu, oder im September.”

Ich schreibe mit. Sie sagt. Ich blicke sie kein einziges Mal an, und sie drängt nicht. Sie spricht von Pathos und der fehlenden Welt, sie hat Recht, und Recht hat sie auch, wenn sie sagt: Du arbeitest nicht. Lena, du arbeitest nicht. Und wir wissen beide, was sie meint, und vielleicht weiß es sonst keiner.

Also fahre ich nachhause beglückt. Und ich setze mich hin und lese, und das Lesen ist eine Arbeit, und plötzlich somit eine Freude, und an den Tisch setze ich mich zögernd, aber mit diesem Kribbeln, mit dieser Ahnung, mit einer Frage, auf die ich keine Antwort hören will. Und ich schreibe. Fünf Seiten. Sie sind genauso schlecht wie die von vorgestern, aber als ich aufstehe, habe ich gearbeitet. Es bietet mich dann noch jemand um eine Mail, die ich schreibe, dann ist der Tag wieder da, wie immer um zwei, und so dauert es, bis ich abends diese eine Nachricht abschicke: “Heute habe ich gearbeitet. Danke Dir dafür.”

München-Bregenz-Lugano-Cannes-Bormes les Mimosas-Frèjus-Sanremo

Weckerplärren um 5.15 – noch im Stadtgebiet München die Klischeefrage per se: Wann sind wir im Urlaub – Tau an den Füssen = Regen von unten – Steine bemalen mit Kreidesteinen – Picknickperfektion – Kunstfotos – Tunnel, noch ein Tunnel, noch ein Tunnel, noch ein Tunnel – springen: ins Wasser – Afrikanerinnen am Strassenrand – Pommes in Italien – keine Butter beim Frühstück nach acht (“No”) – Mautgebühren (sowieso und ständig) – der Mann, der unser Auto wäscht und die berechtigte Frage “Warum?” – die Möwe, die auf Lollis steht – Wasserholbeauftragte – Stau – die Arroganz in Person – Kröten, Wildschweine und Füchse (Kröte, Fuchs heute, eine ganze Wildschweinfamilie zwei Tage später) – Moûles frites (wobei die Schreibweise egal ist, weil sie so schmecken, wie sie es tun) – Auto küsst Wand – Wendeltreppe – der Käse, dieser Käse, ich Pfeife auf Klischees, dieser Käse! – Dorne – springen: ins Wasser – Champagner – Rimderfilet – Erinnerungen – Strahlen – wer reden kann – wo ist der Käse hin? – Kratzer im Gesicht – Steine schmeißen vom Steg – Füße im Meer – Fang mich (am Strand ist alles irgendwie wie im Film, und es ärgert mich, das alles bereits im Film gesehen zu haben – lundi – Zelt – “nachhause fahren, auto fahren, auto schlafen” – Zelt – die keifende italienische Hexe, die mit ihren fünf Schildkröten Urlaub auf einem als kinderfreundlich ausgezeichneten CampingPlatz und Kinder abgrundtief hasst (“brumm brumm Vacanze”) – die bringen Wäschekörbe in den Urlaub mit – Meeresrauschen (ja, wie im Film) -

Erste Reaktionen!

So fühlt sich das also an – und eigentlich sollte ich das Gefühl schon kennen – aber es ist anscheinend nicht der Fall – wenn die ersten Reaktionen kommen. Hibbelig, auch wenn ich das Wort so gar nicht mag, aber hibbelig bin ich.

“Lena Gorelik erzählt elegant, fließend und mit viel Witz und Tiefe und ragt spätestens mit diesem Buch aus der Schar der jungen, hervorragenden deutschen Autoren noch weit heraus.” WDR5

Über Familiengeschichten und Familiengeheimnisse: Ein Interview bei B5 aktuell

“Das Leben in Listen” bei NDR Info

Noch zwei Tage bis zum Erscheinungstermin!

Deutsches Literaturarchiv Marbach (Schreibwerkstatt Tag II), 20.08.2013

„Wieder hier zu sein“, fragt sie beim Mittagessen, wie es sei. Wie es ist.

Wenn ich in der S-Bahn auf dem Weg von Stuttgart nach Marbach von der Zeitung aufschaue und kurz aus dem Fenster blicke, erkenne ich an Bäumen, der Farbe der Häuserfront, die wir gerade passieren, oder den Schrebergärten, ob wir uns noch zwischen Feuerbach und Zuffenhausen befinden oder uns bereits Kornwestheim nähern.