Five Minutes a Day – Irgendwo bei Göttingen – 20/08/2018

Schullandheim, wie früher. Auch das Gefühl dasselbe. Diese Unsicherheit, bei der man so froh war, sie überwunden zu haben, dieses Gefühl, das vergessen schien. Als wüsste ich nicht, wer ich bin, und ich merke, dass ich selbst im Deutschen stolpere, dass der Akzent wieder da ist, als wäre ich wieder die: Die Elfjährige, die kein Wort versteht, die Zwölfjährige, die eine Klasse überspringt, die erst gerade gewonnenen Freunde verliert. Die Dreizehnjähirge, die das Leben so sehr hasst, dass sie um sich schlägt, die Vierzehnjährige eben im Schullandheim, die, über die sie lachen, am Tischtennistisch, damals. Das war damals, heute ist heute, heute gebe ich ein Schreibseminar, und sie schreiben dann alle, so fleißig, von oben sehe ich nur über den Tisch gebeugte Köpfe, sie sind dabei, sie machen das gerne, und sie machen das gut, was vielleicht heißt, dass ich es gut mache, aber stattdessen bin ich wieder vierzehn und weiß nicht, wie man das wird, wieder groß.

Ver-sprach-l-ich-t, das habe ich heute geschrieben, dass darin auch das Ich steckt, ich weiß nicht mehr, warum mir das gefällt.

Ich weiß nicht, wie man Vermissen ausdrückt. Man möchte nie der sein, der mehr vermisst.

Einer der Jungs hat sich heute von seinem Taschengeld einen Comic gekauft, das ist schon so lange her, dass ich sie gesehen habe, obwohl es erst gestern war. Alles ist so lange her.

45 Stunden schreibe ich, ich weiß nicht, ob das von Bedeutung ist. Manchmal habe ich Angst, dass mir die Dinge zu viel bedeuten. Jemand klopft an die Tür, die Pizza ist da, die fürs Abendessen.

FA814AF3-5D10-4D3C-AF80-764A26869011