Five Minutes a Day – München-Göttingen – 20/08/2018

Das Bild ist von gestern, oder von vorgestern, es könnte aber auch von vor Tagen sein, vor Wochen. Im Zug, München-Göttingen, diese plötzlich so alltägliche Welt. Alles wieder da, dieses deutsche Grün, diese Sprache. Vorgestern eingeschlafen, der Regen klatschte, das Fenster offen, und unten, aus dem Restaurant, von der Terrasse schwedische Stimme. Wie „Kiss myg“, der Film, direkt vor dem Fenster, für mich. Hier wieder Konto checken, To-Do-Listen, und Nachrichten, in denen ich lese, dass die AfD die Behinderten zählen will, und man in Berlin Rudolf Hess gedenkt, und wie kann der Himmel so blau sein, trotzdem.

Dort bleiben wollen, der Fluss und die Birken, wie Datscha, ich weiß nicht, was Datscha auf Schwedisch heißt. Das Schreiben lasse ich noch nicht zu, dann können die Erinnerungen noch mir gehören, dann kann sie niemand in bessere, erklärender Sätze stecken, niemand mäkelt daran herum. Diese kostbaren Momente zu dritt, bis sie mir entwachsen, unsere Reise, nur wir. Wie sie herum rennen, die beiden, und wie ich es bin, die plötzlich rennt. Ich tue das nicht ihnen zuliebe. Am Ende schlafen sie ein, neben mir, rechts ein Kopf auf der Schulter, links auch.

Das Wiedersehen zuhause: Erst beim Klingeln merken, dass das Herz klopft. Und nicht wieder gehen wollen, auf gar keinen Fall. Es ist so schön, ich freue mich schlimm. Schlimm schön oder schön schlimm oder beides?

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