Irgendwo an der Thüringisch-Bayerischen Grenze nach München, 12/08/2018 – Five Minutes a Day

Johny Cash im Auto. Der Himmel ist mit weiß durchzogen, Wolken weich wie ein Versprechen, der eine Himmel, der nach Freiheit ruft. Der Mais ist verdorrt, auch das Gras, trockene, pieksende Halme. Bleib so stehen, genauso, sagt sie, mit ihrer strengen Stimme. Ja, genauso, nach vorne schauen. Die Kamera um ihren Hals ist alt und schön, wie ein wertvolles Schmuckstück. Ich sehe das Bild, das sie macht. Später sitzen wir an einer Raststätte auf dem Bürgersteig, trinken Kakao (sie) und Eistee (ich). Wir sprechen über Einsamkeit und Vermissen. Dieses alte Gefühl kommt hoch, das kindheitsbezogene: Wenn Heimweh einem Tränen in die Augen treibt. Ich bin ein starkes Kind, also kann ich mir die Tränen verkneifen. Morgen ist ein anderes Gefühl. Es geht hierbei um Stunden. Wenn Johny Cash Im Auto singt, kann ich schreiben. Es scheint so einfach, was sich später schwer lesen wird.

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