Five Minutes a Day – MUC-Berchtesgaden-Muc/13/06/2018

Also, die sagen das immer so. Man sagt das immer so. Dass Lächeln wichtig ist und alles verändert, Menschen, und Stimmung, Begegnungen, Tage, alles. Das sagt man so, aber unsereins, der zu viel nachdenkt, und zu viel zu wissen meint, der tut das gern ab als Postkartenspruch und Gute-Laune-Junkie. Wir sind verdorben, wir vergessen, an das Gute zu glauben, wir halten diesen guten Glauben für naiv. Wir, also ich. Und andere vielleicht auch. Jedenfalls Lesung, an einer Schule, eine von diesen, über die Autoren dann später sprechen, Schüler, die verdonnert wurden, und diese Anmoderationen und so, wir sprechen leidend, aber vielleicht schwingt auch Überheblichkeit darin. Jedenfalls heute Lesung, ganz anders alles, und wirklich, auch wenn das naiv klingt, so ein Lächeln, das alles verändern kann. Einfach tatsächliche Freude, weil ich da bin, und ein ehrliches, kein aufgesetztes Gespräch. Dieses simple, bescheuerte, wundervolle Interesse, das den Tag anders macht, oder mich, als ich später dann wieder in den Zug steige. Ich weiß auch nicht, ich bin – wahrscheinlich – naiv. Ich glaube gerade auch an große Geschichten und große Gefühle, und ich weiß, es werden nur Tage vergehen, bevor mir, vielleicht, jemand den Glauben nimmt. Der Jemand könnte auch einfach das Leben sein. Später laufe ich durch den Park, in dem ich früher mit Blacky spazierte, und habe dieses schlimme Hundevermissen. Schwarzes, immer verstrubbeltes, viel zu verknotetes Fell.

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