Five Minutes a Day – MUC/05/06/2018

Ich weiß nicht, warum ich die Schuhe fotografiere. Auf dem Nachhauseweg tue ich das, im Dunkeln, und ich bleibe nicht einmal stehen dafür. Zuhause ist alles schwarz und still, ich knipse alle Lichter an, um gegen das Schweigen zu kämpfen, erobere mir Raum für Raum, fühle mich in keinem einzigen wohl. Heute hat mir jemand von einer großen Liebe erzählt, eine, die den Namen verdiente, sie erzählte das so, als sei die Tatsache wahr, die dieser großen Liebe. Sie weinte, obwohl sie zu stark dafür war; dann weinte ich auch ein bisschen. Die Einsamkeit ist ein drückendes Gefühl. Ich lief dann schweigend weiter, als wäre die Stadt neu oder nicht die meine, verspielte Türmchen und Sauberkeit der Fassaden, eine Frau saß da und las. Ich wollte wieder schreiben, langsam, mir Sätze zutrauen, zarte. Ich wollte jemanden haben, der mir zuhören wollte, und ich wollte das Wasserfall-Gefühl, dieses eine, aber was bringen einem die Sätze. Später ging ich zu einer Elternbeiratssitzung, als wäre nichts. Als hätte ich all das nicht gefühlt, und nicht um die Dunkelheit in der Wohnung geahnt, als wäre die Schule einfach eine Schule. Ich verhielt mich genauso, und ich glaube, dass mir das gelang, und manchmal weiß ich nicht, warum mir Dinge gelingen. Manchmal ist schreiben einfacher, als das andere, den Schreibtisch verlassen. Das mit dem Glauben, dem an die große Liebe, kann eine einsame Sache sein. Jemand anders sagte mir, das war heute, und gestern und vor zwei Jahren war das auch schon, dass ich mich selbst zu sehen vergesse. Ich denke, dahinter ist ein Recht. Ich denke, dass ich das vergesse.

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