Five Minutes a Day – 26/03/17 – Speyer/München

Gestern. Ich lief durch Speyer. Speyer war schön, die Sonne schien, der Flieder blühte, die Menschen zog es nach draußen, das übliche Frühlingsgebummel. Ich weiß nicht, warum mich das so unglaublich deprimierte, dieses Alles. Der Himmel war blau, der Dom war schön.

(Manchmal ist da ein Wissen, aber man traut sich nicht. Ihm zuzunicken, zu sagen, ja, du hast Recht. Das ist die Vorsicht vor dem Schmerz eines Eigenständnisses).

Sich hinsetzen, Kaffee bestellen, in der Sonne, weil man das so macht. Zu schreiben beginnen. Der erste Satz schien noch so klar, als man so lief. Also bevor man schrieb. Ich schreibe einen Absatz, um ihn zu löschen, und als ich den Kaffee bezahle, ist auch vom ersten Satz nicht mehr übrig. Es ist, als kämen mir die Sätze beim Schreiben abhanden, und eine Geschichte hatte ich noch nie gehabt.

Lesen, im historischen Saal des Rathauses. Schön. Sie lauschen. Die Unsicherheit verschwindet, da ist Stille. Bis ich mir selbst zuzuhören beginne. Am Ende kommt eine Frau auf mich zu, die sagt: “Was ich nicht verstehe: Wie kann jemand, der so gut schreiben kann, der so virtuos mit Sprache umgehen kann, so viele Selbstzweifel haben?”. Den Satz notiere ich in mein Notizbuch. Davor hatte ich: “Ich kann nicht schreiben” notiert. Ich blättere darin, von Wahrheit zu Wahrheit. Manche lese ich nicht gern.