Schreibprozess, XXX. Wobei XXX für eine Zahl steht. München, 22. Januar 2014

Ein Kapitel an meinen traditionellen Erstleser gegeben. Gehört: „Das kannst du besser.“ „Stilistisch wie inhaltlich.“ „Packt mich nicht so.“ „Wo ist die Bewegung?“. Ausgerastet, unfairerweise. Nicht schlimm ausgerastet, aber ein bisschen. Vor Aufregung die halbe Nacht gelesen und gestern nur herum geräumt.

Heute schreiben. Schreibe mal hier vier Seiten, dann wieder da eine halbe, dann eine weitere am alten Text. Komme nirgendwo weiter. Überlege, ob der Roman überhaupt Kapitel braucht, ob er nicht vielleicht aus Absätzen besteht, manche zehn Seiten lang. Dann, ob diese Überlegung zum Roman passt, oder nur aus meiner Unsicherheit und fehlender Souveränität geboren wurde. Beschließe, das die nächsten Wochen auszutesten. Rechne dann ein wenig herum, wie lang bis zu hundert Seiten. Bin im Klaren darüber, dass alles, was ich mir realistischerweise ausrechne, wird unrealistisch sein.

Lese „Sonja“ von Judith Herrmann. Sätze wie „Der Sommer war eine Kette aus hellen, blauen Tagen“ kann ich nicht leiden, dafür mag ich umso mehr die Stimmung. Die Stimmung lässt auch darüber hinweg sehen, dass mir der Realismus in der Geschichte fehlt. Oder ich kenne die falschen Menschen. Führe das falsche Leben. Eine Geschichte von Peter Stamm mag ich sofort.

Zum Schluss beginne ich, das Kapitel, das ich besser kann, stilistisch wie inhaltlich, Korrektur zu lesen, zum wievielten Mal bereits. Verbesserung der Verschlimmbesserung. Und Schluss.