München-Berlin-Erfurt 27.10.2013-28.10.2013

Fliegen. Rechnen, Lesen, spielen, fliegen. Landeanflug: Lang, hart, wackelig. Rechnen. Ich finde, ich mache es gut, bis der Sitznachbar (nach der Landung!) sagt: „Na, das war mal kein Landeanflug für Flugangst.“

Berlin. Groß, noch größer, Froschkönigzimmer im Hotel. Kaffee im Jüdischen Museum. „Und was machen die Kinder?“, als hätte ich sonst nichts zu erzählen. Was machen die Kinder? Meist Blödsinn. Die Grünen. Und ein riesiges Stück Schokoladenkuchen. Ach ja, und die Limonade (s. Foto), die ich als neuen Trend entdecke, der in spätestens zwei Jahren München erreicht haben wird (it‘s no München-bashing; I like it.).

Women you like. Die Besonderheiten von Jim Knopf. Mirjam Pressler schreibt nur. Dann die Lesung, die Österreicherin, die als Berlinerin starb. Aha. Wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt, ist das immer ein Argument, und ernst nehmen sollten wir das alles sowieso: nicht.

Dialogerzählung: Ein Mädchen (nicht deutscher Herkunft) kommt im eng anliegenden Spaghettiträger-Oberteil in die Schule. Sagt die Lehrerin: „In Deinem Heimatland säßest Du aber jetzt dafür im Gefängnis.“ Das Mädchen: „Aber mein Heimatland ist doch Deutschland.“ Und die Lehrerin: „Jetzt werd bloß nicht frech.“ Angeblich wahr.

Dann tue ich etwas, was ich bisher noch nie getan habe: Einen Abend alleine in Berlin verbringen. Widerstehe dem Drang, als A. absagt, alle anzurufen, die ich kenne, und ziehe los. U-Bahn-Fahren. Alex. Kreuzberg. Kino. U-Bahn, einfach um des Fahrens willen. Schlechter Film übrigens, aber es macht nichts. Den besten Döner Berlins suchen und nicht finden. Und viele, viele Straßen. Im Dunkeln. Eh, Berlin im Dunkeln. Und: Es ist gar nicht so schlecht, mit mir unterwegs zu sein.

Frühstück. Zwei Frühstücke, um genau zu sein. In Deutschland, sagt D. zu mir, hat man Uhrzeit, in Kuba Zeit. Recht hat er. Er zeigt mir einen Laden, der eine perfekte Mischung aus Kunstraum, Buchhandlung und Kunstbuchhandlung ist, und wie immer in solchen Momenten plane ich meinen Umzug nach Berlin. Und komme fast zu spät zum Termin. Ach ja, Rineke Dijkstra und Frank Darius.

Was ist ein Kunstgriff, und wann braucht man ihn. Shrinks und Fragen, die man in einem Buch stellt. Oder eben nicht stellt. Was interessiert Dich an den Figuren? Eine der besten Fragen überhaupt. Und das Persönliche am Buch.

Berlin, wieder größer als ich denke. Im Zug: What was your favourite fairy tale as a kid? Ich hatte Angst vor Blaubart sowie der Schneekönigin, von der ich nicht mehr weiß, ob sie Eiskönigin hieß, und ich meine, Das Mädchen mit den Streichhölzern gemocht zu haben.

Erfurt, noch schöner, als ich es in Erinnerung hatte, und Professionalität. Letzteres wird oft unterschätzt, genau wie Erfurt. Gute Lesung. Lange Lesung. Am Fluss sitzen, auf die Krämerbrücke blicken, danken, träumen, rauchen.

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