Literaturmuseum der Moderne, Marbach (Schreibwerkstatt Tag I), 20.08.2013

Mitgenommen:

Hesse hat eine ordentliche Handschrift.

Döblin sammelt Zeitungsnachricht mit der Überschrift „Ehefrauen zu vermieten“.

Kaléko notiert: “Recklingshausen schmausen. Schüchtermn schüchteyrn nüchtern Speyer“.

Walser streicht gerne durch, auch ganze Absätze schmerzen ihn nicht (oder er streicht sie dennoch durch).

Der erste Brief, den Brecht in den USA erhält, ist von Suhrkamp, und er antwortet „Ich habe Ihnen Ihre Hilfe bei meiner Flucht nicht vergessen.“ Er will das, was er geschrieben hat, mit Suhrkamp „durchnehmen“. Interessante Wortwahl.

Thomas Mann freut sich über „mit männlichem Geschmack ausgestattete Bücher“.

Robert Musil schreibt am 6. Januar 1941 eine verspätete Neujahreskarte an einen Professor, was zu meinem Romanprojekt passt.

Kafkas unleserliches Manuskript, das wertvollste in diesem Museum (1,2 Millionen wert, wenn ich mich nicht irre).

Am 28.7.1969 schreibt Kästner auf: „Der Unterschied zwischen Erinnerung und Gedächtnis: Das Gedächtnis ist ungerecht.“

Roda Roda hatte einen Stempel anfertigen lassen: „Anmerkung für den Setzer: Ich schreibe meinen Namen ohne Bindestrich RODA RODA“.

Eine Schwimmunterrichtskarte (No. 57) von Kaschmitz.

Und nach wie vor mein Lieblingsmanuskript: Bernhard Schlink, der Vorleser. Gelbes, liniertes Papier (legal pad), saubere Schrift, alles per Hand, und wenn er etwas durch- oder unterstreicht, geschieht es mit einem Lineal. Gibt es den Begriff “Akkuration”?